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Bewegungsdaten: Wie gläsern machen sie uns wirklich?

Jul, 25 2024
Bewegungsdaten: Wie gläsern machen sie uns wirklich?

Digitale Dienste sind fest in den Alltag von Millionen von Internetusern integriert. Ein Leben ohne die Benutzung von Apps, sowohl auf dem Smartphone als auch auf dem PC ist heutzutage nahezu unvorstellbar. 

 

Doch hier stellt sich die Frage: Wo hinterlassen wir überall unsere digitalen Spuren in Form von Standortdaten, wozu werden diese Informationen verwendet und was bedeutet dies für die Privatsphäre?

 

Standortdaten geben Auskunft darüber, zu welchem Zeitpunkt sich eine Person oder ein Gerät an einem gewissen Ort befindet. Beispielsweise können Mobilfunkbetreiber durch die Verbindung mit einem Mobilfunkmasten ungefähr den Standort des Benutzers bestimmen.

 

Provider nutzten dabei Mobilfunkzellen, also Bereiche die von einem Mobilfunkmast oder einer Basisstation abgedeckt sind. Jede Zelle hat dabei eine Zell-ID, die für die Standortbestimmung verwendet wird.

 


Bewegungsdaten hingegen liefern nicht nur den genauen Standort einer Person, sondern geben Aufschluss darüber, wie die Person einen Standort erreicht hat bzw. welche Route zurückgelegt wurde. 

 

So gut wie alle Smartphones, Smartwatches, oder sonstige mobile Endgeräte verfügen heutzutage über GPS (Global Positioning System), ein weltweites Ortungssystem, welches die genaue Position mittels Satellitensignale und deren Entfernung zum Gerät berechnet.

 


Downloaden User Apps oder Programme werden sie oft dazu aufgefordert, den Zugriff auf Ihre Standortdaten zu erlauben. Um den vollen Komfort oder den Dienst überhaupt nutzten zu können stimmt der User, teilweise unwissend, zu und erlaubt dem Programm- oder Gerätehersteller den vollen Zugriff auf die jeweiligen Daten. Der Hersteller ist zwar gesetzlich dazu verpflichtet, den User auf die Verarbeitung der Daten sowie die Zwecke dieser Verarbeitung und die erhobenen Datenarten zu informieren, jedoch sind entsprechende Datenschutzrichtlinien vieler Apps oft unverständlich und umfangreich. Durch einfaches Anklicken werden dem Provider oft schnell weitreichende Rechte erteilt, die ihm das Standorttracking immer oder während der Benutzung von beispielsweise von Wetterapps, Google Maps oder Telephonie Apps erlaubt. Insbesondere bei kostenlosen Apps werden Daten oft für kommerzielle Zwecke an Dritte weitergegeben.

 

Durch die Verarbeitung von Standort- oder Bewegungsdaten werden exakte Bewegungsprofile jeder einzelnen Person erzeugt, die genauen Aufschluss darüber geben, wo eine Person arbeitet, was sie auf dem Weg zur Arbeit erledigt oder wie die Freizeitgestaltung aussieht. Zusammen mit Daten, die durch Cookies auf Internetseiten gesammelt werden, oder Standortangaben die User freiwillig in sozialen Medien teilen, können die Daten aggregiert und so sehr genaue Profile über die Vorlieben, Gesundheitszustand oder Aktivitäten einer Person erstellt werden.

 


Ein Beispiel: Verwendet ein User Google Maps zur Navigation, teilt er seine Standortdaten mit Google. Google erstellt detaillierte Bewegungsprofile und weiß, ob der User auf dem Weg zur Arbeitsstätte noch kurz bei einem Cafe seiner Wahl stoppt, um den morgendlichen Kaffee zu trinken. Diesen bezahlt der User mit Kreditkarte und sammelt Payback Punkte. In der Mittagspause surft der er im Internet auf diversen Webshops, auf deren Seiten er der Nutzung von Cookies und Analysetools zustimmt. Durch die Analyse der gesammelten Daten aus verschiedensten Quellen können Verhaltensmuster des Benutzers und Vorlieben analysiert werden, was es Unternehmen ermöglicht, personalisierte Werbunganzeigen auf Websites einzublenden oder ihr Produktangebot besser an den Markt anzupassen.

 


Soweit so gut – doch wie werden diese Daten zu Geld gemacht: An dieser Stelle kommen Datenhändler ins Spiel. Datenhändler erhalten verwertbare Daten wie beschrieben von mobilen Endgeräten oder Apps, Werbenetzwerken, Telekommunikationsanbietern oder aus Software Development Kits (SDKs), die sie App Entwicklern zur Verfügung stellen. SDKs ist Code, der ermittelt, welche Werbekampagnen zu App Installationen führt oder welche Benutzerinteraktionen (Klicks, Views) ein User einer App ausführt. Milliarden von Daten aus verschiedensten Quellen werden von den Datenhändlern gesammelt und dann beispielsweise der Werbeindustrie zum Kauf angeboten oder für Marktanalysen verwendet. Der Handel mit Daten ist mittlerweile zu einem sehr bedeutsamen Wirtschaftszweig für eine Vielzahl von Unternehmen geworden mit weltweiten Umsätzen im dreistelligen Milliarden Bereich.

 


Big Data Anwendungen spielen dabei eine besondere Rolle, da innerhalb kürzester Zeit ein enorm großes Datenvolumen, eine Vielzahl von oft unstrukturierten Daten aus unterschiedlichsten Quellen analysiert und interpretiert werden können. Dies wird von der Werbeindustrie für personalisierte Werbung oder zur Kundenverhaltensanalyse verwendet. Weitere Anwendungsfälle finden sich außerdem im Gesundheitswesen, der Finanzbranche oder der Energieversorgung.

 

 

 

Durch die Nutzung von Apps und digitalen Diensten geben wir oft unbewusst unsere Bewegungsdaten preis, die zu detaillierten Profilen führen Informationen über Verhalten und Vorlieben von Personen liefern.

Fazit : Die Analyse von Standort- und Bewegungsdaten liefert intime Einblicke in das Leben einer natürlichen Person. Sobald wir uns im Internet bewegen oder digitale Dienste nutzen hinterlassen wir Datenschnipsel, die es Datenhändlern unter Inanspruchnahme modernster Technologien wie Big Data oder Maschinellem Lernen ermöglichen, extreme Datenmengen zu sammeln, zu analysieren und daraus ein Profil einer Person zu erstellen. Diese Datensätze werden an Unternehmen verkauft. Zum Schutz der Privatsphäre empfiehlt es sich daher, sich vor der Nutzung entsprechender Dienste über die Datenschutzbestimmungen zu informieren und bewusst bzw. nur eingeschränkt den Zugriff auf persönliche Daten zu erlauben. Verschlüsselungstools wie VPN, das Verzichten auf Cookies, private Browser Modi, der Verzicht auf öffentliche WLANs, die Nutzung von vertrauenswürdigen Apps – all diese Maßnahmen können die Weitergabe von personenbezogenen, sensiblen Daten auf ein Minimum reduzieren.

 

Eines sollte man dabei immer im Hinterkopf behalten. Die Entwicklung und Wartung von Apps, Programmen oder sonstigen digitalen Diensten (Email, Cloud-Speicher, Telefonie Apps etc.) kostet das herausgebende Unternehmen hohe Summen. Wirtschaftsunternehmen haben in der Regel eine Gewinnerziehlungsabsicht. Sie bieten Ihre Dienste nicht aus reinem Goodwill kostenlos an. Man kann also davon ausgehen, dass der User von kostenlosen Apps die Services indirekt mit der Bereitstellung und dem Verkauf seiner personenbezogenen Daten bezahlt. Ganz nach dem Motto ‘If you’re not paying for the product, you are the product.

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